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16. April 2010 / Patrick Bellmer

As time goes by oder Die schleichende Schnecke

In den letzten Wochen war es sehr ruhig rund um die Zukunft der Strecke zwischen Steintor und Hauptbahnhof. Ein wenig Geraschel dort, eine kurze Randnotiz da, aber Bewegendes war nirgendwo zu vernehmen. Da verwundert es nicht, dass die Befürworter der Oberflächenlösung die Ruhe (mal wieder) etwas stören wollen.

Diese präsentierten am vergangenen Mittwoch ihre Vision von der Verlängerung der D-Linie zwischen Hauptbahnhof und Südstadt. Nach diesem Vorschlag soll die Bahn straßenbündig (!) zwischen Marienstraße und dem Endpunkt in der Gustav-Brandt-Straße verkehren, lediglich zwischen Hauptbahnhof und Marienstraße soll ein eigener Bahnkörper geschaffen werden. Unabhängig davon, dass die Streckenführung im südlichen Teil eher nicht optimal ist (Erschließung Bahnhof Bismarckstraße), darf man die Kosten nicht vernachlässigen. Da es für straßenbündige Bahnkörper keine Förderung durch den Bund gibt, müsste die Region die ca. 20 – 25 Mio. € alleine tragen. Und natürlich stellt sich die Frage, ob eine mit dem Autoverkehr mitschwimmende Bahn überhaupt eine Verbesserung gegenüber dem heutigen Busangebot wäre.

Bei der Geschwindigkeit, die die Region aber an den Tag legt, dürften eh noch etliche Jahre vergehen, bevor überhaupt etwas passiert. Aktuelles Beispiel für die Fortschritts-Lust in der regionalen Verwaltung ist die “Ikea-Verlängerung”, die angedachte Verlängerung der Linie 6 (D-Süd) vom heutigen Endpunkt Messe/Ost bis in etwa zur Chicago Lane. Für das ehemalige Ausstellungsgelände wäre diese Verlängerung vermutlich ein enormer Impuls, große Teile sind immer noch verwaist. Die Planungskosten waren schon im Etat der Region, es gab Zusagen der Landesnahverkehrsgesellschft und von Ikea bezüglich finanzieller Beteiligungen, 2012 sollte die erste Bahn auf dem neuen Abschnitt rollen. Nun hat die Region allerdings das Projekt gestoppt, aufgrund der finanziellen Situation könne man die Gelder nicht zur Verfügung stellen, der Baustart wäre nicht vor 2014 möglich. Um es nochmals ganz deutlich zu sagen, man spricht hier nicht von unglaublichen Millionenbeträgen, die aufgebracht werden müssten, der Anteil der Region hätte (lächerliche) 700.000 € betragen, davon wollte/will Ikea noch einen erheblichen Anteil übernehmen. Meine persönliche Meinung: Die Region hat das Projekt beerdigt, da man zwar die Kosten getragen hätte, die Erlöse (Gewerbesteuer) wären jedoch an die Stadt Hannover geflossen.

Und zu guter Letzt noch etwas aus der Rubrik “Heute so, morgen anders”: Die Region Hannover hat einen neuen Verkehrsdezernenten, Herrn Franz. Herr Franz hat in seinen ersten Tagen zwei Dinge gesagt, zum einen wäre eine Verlängerung der D-Strecke bis in die Südstadt durchaus denkbar, zum anderen wäre der D-Tunnel zwischen Steintor und Hauptbahnhof nicht wirtschaftlich. Ersteres ist natürlich schön, letzteres ein wenig absurd. Denn schließlich hat die Region doch Ende vergangenen Jahres vom selbst beauftragtem Gutachter attestiert bekommen, dass der Tunnel durchaus wirtschaftlich wäre, die Zahlen wären sogar besser als bei der Oberflächenlösung. Hier muss man sich ernsthaft fragen, ob Herr Franz sich überhaupt überhaupt mit aktuellen Dokumenten auseinandergesetzt hat oder ob da jemand seine eigene Linie durchsetzen will.

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