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9. Dezember 2009 / Patrick Bellmer

Vorwärts nach weit – Möglichkeiten für die Limmerstraße

Was hat die Limmerstraße mit dem D-Tunnel zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, lediglich die Streckenbezeichnung ist ähnlich, D-West. Da aus der Frage, wie man auch auf der Limmerstraße einen barrierefreien Zugang zur Stadtbahn schaffen kann, mittlerweile eine hitzige Diskussion geworden ist, muss man sich vor Augen halten, welche Möglichkeiten es eigentlich gibt und wie groß der Einfluss auf den D-Tunnel ist.

Heute findet man entlang der Limmerstraße, die vom Küchengarten bis zur Wunstorfer Straße verläuft, drei Haltestellen:

  • Am Küchengarten am östlichen Ende gegenüber des IhmeZentrums; neben der Linien 10 halten hier die Buslinien 100/200, 120 und 700, wobei die beiden ersteren nur durch einen kurzen Fußweg erreichbar sind
  • Leinaustraße etwa in der Mitte der Fußgängerzone, die vor einigen Jahren zwischen Spinnereistraße und Kötnerholzweg eingerichtet worden ist; hier hält die Linie 10 ebenso wie die Linie 700
  • Ungerstraße zwischen dem Westschnellweg und dem Kötnerholzweg; hier hält nur die Stadtbahn

Bei allen drei Haltestellen handelt es sich um Tiefbahnsteige, an der Ungerstraße liegt die Haltestelle ohne Abgrenzung direkt auf der Straße. Die einzige Möglichkeit, eine dieser drei Haltestellen zu erreichen, ist der Bus, sofern dieser mit eine Rampe ausgestattet ist. Da die Linie 700 aber gerade in der Hauptverkehrszeit sehr stark ausgelastet ist, ist das Platzangebot für Rollstühle, Kinderwagen und ähnliches sehr begrenzt.

Hoch, höher, Hochbahnsteig

Die einfachste Möglichkeit, auf der Limmerstraße einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen, wäre der Bau von Hochbahnsteigen. Problematisch ist aber die mögliche Lage, da die Platzverhältnisse in weiten Teilen der Limmerstraße nicht ausreichend sind. Klar ist, daß von den heute drei Haltestellen nur zwei übrig bleiben würden, eine am Küchengarten, eine weitere zwischen den heutigen Haltestellen Leinaustraße und Ungerstraße.

  • Am Küchengarten gibt es drei mögliche Standorte für einen Hochbahnsteig: an Stelle der der heutigen Haltestelle, in der Spinnereistraße und vor dem “Fannyblock” zwischen Mathilden- und Fortunastraße. Sowohl am heutigen Standort als auch vor dem “Fannyblock” sind die Platzverhältnisse äußerst begrenzt, die Gastronomie müsste vermutlich komplett auf ihre Außenangebote verzichten. Der Nachteil des Standorts Spinnereistraße ist die Lage. Der Bahnsteig würde in der Mitte der vielbefahrenen Straße liegen, was die Erschließung der Limmerstraße natürlich verschlechtert.
  • Der zweite Hochbahnsteig würde westlich des Kötnerholzwegs entstehen, vermutlich als Mittelbahnsteig, der Platz würde bei Streichung der Parkplätze dafür reichen. Durch die Zusammenlegung der Haltestellen Leinau- und Ungerstraße verlängern sich für einige Anwohner die Wege, aufgrund der gewonnenen Barrierefreiheit dürfte dies aber ein akzeptabler Preis sein.

Hochbahnsteige hätten keinen Einfluss auf den D-Tunnel, da die Strecke wie auch heute weiterhin direkt mit der Innenstadt über Glocksee und Goetheplatz verbunden wäre.

Hoch, nicht ganz so hoch, “Mittelhochbahnsteig”

Einen Kompromiss würden “Mittelhochbahnsteige” darstellen. Diese würden deutlich niedriger als ein “normaler” Hochbahnsteig sein, lediglich ein geringer Teil würde die üblichen 85 cm aufweisen. An diesem Teilstück wäre der stufenlose Ein- und Ausstieg problemlos möglich, während am restlichen Bahnsteig ein oder zwei Stufen zu überwinden wären. Da die optische Barrierewirkung deutlich geringer als bei einem “normalen” Hochbahnsteig wäre, könnte man auf diesem Wege versuchen, die Anwohner dafür zu gewinnen. Unklar ist aber, inwiefern das Land Niedersachsen ein solches teil-barrierefreies Bauwerk fördern würde und ob es technisch ohne größeren Aufwand möglich wäre, die Tür- und Stufensteuerung der “Silberpfeile” auf unterschiedlichen Höhen an einem Bahnsteig zu programmieren. Ein echtes Problem ergibt sich erst dann, wenn die letzten Tw 2000 außer Betrieb genommen werden, was laut Plan zwischen 2025 und 2028 der Fall sein soll.

Bis dahin gibt es auch keine Probleme mit dem D-Tunnel, da auch hier das gleiche wie bei bei den Hochbahnsteigen gilt.

Ganz unten

Möglichkeit 3 wäre der Umbau der Linie 10 auf Niederflur, was in einem anderen Artikel ja schon besprochen wurde. Deshalb nur kurz eine Zusammenfassung:

  • Abriss der Hochbahnsteige Ahlem, Ehrhartstraße, Brunnenstraße (Limmer/Schleuse) und Aegidientorplatz
  • Anschaffung einer vollkommen neuen Fahrzeugtypes für nur eine Linie mit den notwendigen Umbauen in der Hauptwerkstatt Glocksee
  • Aufgrund der Fahrzeug- und Bahnsteig-Maße eine vollkommene Trennung zwischen Niederflur und dem bestehenden Netz

Damit ein solchen Niederflur-Netz wirklich barrierefrei wäre, müsste man auch Bahnsteige mit einer Höhe von etwa 30 cm errichten, was im Prinzip der Höhe eines “Mittelhochbahnsteigs” entsprechen würde. Dadurch ergibt sich für ein solches Netz kein Vorteil mehr.

Für den D-Tunnel würde es schlecht aussehen, da durch die Inkompatibilität ein durchgängiger Betrieb zwischen Hauptbahnhof und Ahlem nicht mehr möglich wäre.

Dran vorbei

Ein Gedankenspiel wäre die Verlegung der Linie 10 zwischen Limmerstraße und Kötnerholzweg. Die Bahn würde dann, statt nach rechts von der Spinnereistraße in Limmerstraße abzubiegen, geradeaus weiter Richtung Fössestraße fahren und erst am Kötnerholzweg abbiegen. An der Kreuzung Kötnerholzweg/Limmerstraße würde es dann entlang der bisherigen Strecke weitergehen. Durch diese Änderung wäre das Platzproblem in der Limmerstraße aus der Welt geschafft. Um die Limmerstraße nicht vom ÖPNV abzukoppeln, kann die Linie 120 den Abschnitt, der dann ohne Bahn wäre, zusätzlich zur Linie 700 bedienen.

Hochbahnsteige würden dann auf der Spinnereistraße, der Fössestraße Ecke Kötnerholzweg und westlich des Kötnerholzwegs entstehen. Die Fahrzeit zwischen Wunstorfer Straße und Glocksee würde sich um ein bis zwei Minuten verringern, die Kosten lägen wohl bei rund 10 Mio. €.

Für den Tunnel hätte auch diese Variante keinen Nachteil.

Drunter durch

Die letzte Möglichkeit wäre gleichzeitig auch die mit Abstand teuerste und unwahrscheinlichste, soll der Vollständigkeit halber aber auch erwähnt werden. Statt die Linienführung zu verändern, Hochbahnsteige auf die Limmerstraße zu setzen oder gleich ein komplett neues System einzuführen, wird die Bahn einfach unter die Limmerstraße geschickt.

Ein solcher Tunnel könnte direkt hinter der Ihmebrücke beginnen und unmittelbar der heutigen Linie 10 folgen. Sowohl am Küchengarten als auch in Höhe des Kötnerholzwegs könnten Stationen eingerichtet werden, das Tunnelende läge westlich des Westschnellwegs unmittelbar vor der Wunstorfer Straße. Durch eine Verlegung der Buslinie 700 könnte man so die Limmerstraße in eine vollwertige Fußgängerzone umwandeln, ähnlich der Lister Meile.

Der Fahrzeitgewinn läge aufgrund der deutlich höheren Geschwindigkeit bei drei bis vier Minuten, aufgrund der geschätzten Kosten von 150 – 230 Mio. € wäre diese Variante aber nicht einmal langfristig realisierbar. Zusammen mit dem Innenstadttunnel wäre es in Punkto Barrierefreiheit, Betriebskosten-Einsparungen und Fahrzeit die optimale Lösung.

  1. Daniel Kürschner / Dez 9 2009 14:55

    Hi,

    kurze Kritik,
    der 700er hält nicht an der Ungerstr.,
    ansonsten Topseite, weiter so…

    MfG Daniel

    • jetzterstrecht / Dez 9 2009 15:04

      Argh, da habe ich mich auf den Netzplan verlassen. Danke für den Hinweis!

  2. Achim Brandau / Dez 30 2009 11:29

    Die Variante über Fössestraße und Kötnerholzweg hört sich erstmal ganz nett an. Das Problem wird aber dabei der Kreuzungsbereich an eben dieser Ecke. Die Bahnen brauchen einen gewissen Kurvenradius um dort rum zu kommen (siehe Schwarzer Bär). Das wird mit Sicherheit ziemlich eng.

    • jetzterstrecht / Dez 30 2009 12:49

      Die Kurve Fössestraße/Kötnerholzweg ist in der Tat recht eng, könnte aber durch eine Verschiebung der gesamten Straße in diesem Bereich in Richtung Süden entschärft werden.

  3. Martin / Jan 14 2010 13:22

    Es lohnt sich nicht über die Limmerstraße Gedanken zu machen, da Hochbahnsteige auf der Limmerstraße erst Sinn machen, wenn die Fahrgäste auch in der Innenstadt barrierefrei aussteigen können. Was nützen mir die Hochbahnsteige in der Limmerstraße, wenn ich dann erst am Aegi wieder aussteigen kann.
    Die wenigsten Fahrgäste fahren bis zum Aegi.

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