Was bringt NF?
In den letzten Wochen und Monaten fiel im Zusammenhang mit dem Ausbau der D-Linie auch immer wieder der Begriff NF. Doch was verbirgt sich dahinter und warum verstärkt sich aktuell die Diskussion darum wieder?
Während in Hannover alle Stadtbahnen eine Fußbodenhöhe von etwa 90 cm haben, kommen NF-Fahrzeuge in der Regel mit 30 cm aus. Daran kann man leicht erkennen, daß das “NF” für Niederflur steht, bei den hannöverschen Fahrzeugen handelt es sich hingegen um Hochflur-Fahrzeuge (HF).
Damit Fahrgäste barrierefrei ein- und aussteigen können, benötigt man bei HF-Fahrzeugen Hochbahnsteige, die jedem Hannoveraner ja bekannt sind. Nun ist die Funktionalität unbestritten, während es um die Form seit einiger Zeit wieder rege Diskussionen gibt. Die entlang der Limmerstraße geplanten Hochbahnsteige kommen bei den Anwohnern nicht gut an, da diese Bauwerke mit einer Höhe von gut 80 cm und einer Länge von rund 70 – 75 m eine Barriere darstellen. Aufgrund der dort heute schon knappen Platzverhältnisse kann man diese Sorgen prinzipiell teilen.
Da man sich aber auch in Linden und Limmer darüber im Klaren ist, daß insbesondere ältere Fahrgäste teilweise große Probleme haben, die Bahn über die hohen Trittstufen zu betreten oder zu verlassen, hat man dort eine Debatte über die Einführung einer Niederflur-Linie entlang der Linie 10 begonnen. Man verspricht sich davon einen barrierefreien Zugang, ohne jedoch die störenden Bahnsteige bauen zu müssen. An dieser Stelle könnte man also zustimmen. Aber dummerweise scheint man vergessen zu haben, daß eine solche Niederflur-Linie enorme Anlaufkosten verursachen würde, neben der Anschaffung neuer Bahnen müssten auch schon gebaute Hochbahnsteige abgerissen werden, die Hauptwerkstatt auf dem Betriebshof Glocksee müsste umgebaut und neu ausgerüstet werden. Aber selbst wenn all dies finanzierbar wäre, die Betriebskosten einer NF-Bahn liegen konstruktionsbedingt höher als zum Beispiel beim Tw 2000 oder Tw 6000.
Einige Politiker sind mittlerweile auf den NF-Zug mit aufgesprungen und fordern nun zumindest eine genaue Untersuchung der Investitions- und Betriebskosten, die Ergebnisse sollen im Januar 2010 vorgestellt werden. Da man sich aber schon darüber bewusst ist, daß mit einer einzigen Linie kein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist, hat man recht schnell eine Erweiterung der NF-Träume vorgeschlagen. So soll nicht nur die Linie 10 auf die NF-Technik umgestellt werden, sondern auch die Linie 9. Begründet wird dies mit der bislang geringen Anzahl von Hochbahnsteigen zwischen Empelde und Waterloo sowie den, ähnlich wie in der Limmerstraße, beengten Verhältnissen zwischen Westschnellweg und Falkenstraße. Später solle dann auch die Sallstraße als Verlängerung der Linie 10 vom NF-Netz erschlossen werden.
Auf den ersten Blick klingen diese Vorschläge gar nicht schlecht, abgesehen von den hohen Kosten und der fragwürdigen Wirtschaftlichkeit. Aber es gibt zahlreiche große und kleine Probleme:
- eine NF-Bahn kann aufgrund der unterschiedlichen Fußbodenhöhen nicht an einem Hochbahnsteig halten und umgekehrt
- alle Hochbahnsteige sind auf eine Fahrzeugbreite von maximal 2,45 m ausgelegt, erst oberhalb von gut 90 cm erst eine größere Breite möglich, deshalb auch die “Taille” beim Tw 2000
- aufgrund dieser Einschränkung könnte eine NF-Bahn maximal 2,45 m breit sein, da aber 2,65 m erlaubt sind, würde man entweder mit den schmaleren Bahnen kostbare Kapazität opfern, die die Wirtschaftlichkeit erhöhen würde oder man erkauft sich mit den breiteren Bahnen eine Inkompatibilität zum bestehenden HF-Netz
- auch ein NF-Netz würde den gleichen Förderbedingungen wie ein HF-Netz unterliegen, eigene Bahnkörper etc. wären auch weiterhin nötig, um Bundesmittel für Verlängerungen oder Neubauten zu erhalten
- selbst bei einer Fußbodenhöhe von 30 cm wäre ein noch immer ein sehr hoher Bordstein nötig, um einen stufenlosen Zugang zum Fahrzeug zu haben, ein “normaler” Bordstein hat eine Höhe von 18 cm; entlang der Limmerstraße gibt es sogar nur abgesenkte Bordsteine mit einer Höhe von etwa 2 cm, ein barrierefreier Zugang wäre nur mit einem “Hochbahnsteig” möglich
- die Umsteigesituation am Steintor und Hauptbahnhof wäre die gleiche (schlechte) wie bei einer Realisierung der Oberflächenvariante der D-Linie
Für die Politik ist die Debatte unter den Bürgern natürlich ein gefundenes Fressen, wird so doch von einer möglichen Debatte über die Frage “Tunnel ja oder nein” abgelenkt. Schaut man sich an, wie feige sich die Verantwortlichen der Region hinter leeren Kassen und anderen “Argumenten” verstecken, muss man wohl keine Angst vor Niederflur-Bahnen in Linden oder Limmer haben.


Bei 30 cm würde ich nicht von einem “Hochbahnsteig” sprechen, eher von einem ‘höheren Bahnsteig’.
Darum ja auch die Anführungszeichen. Wobei auch ein Bahnsteig mit einer Höhe von 30 cm optisch heraussticht.